Die Stadt Burg steht im Bereich der Kindertagesbetreuung vor einer strukturellen Neuausrichtung. Hintergrund ist die seit mehreren Jahren anhaltende demografische Entwicklung mit deutlich rückläufigen Geburtenzahlen.

Die Geburtenzahlen sind seit dem Jahr 2020 kontinuierlich gesunken. Während im Jahr 2024 noch 164 Kinder geboren wurden, lag die Zahl im Jahr 2025 nur noch bei 127 Geburten und damit auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Die aktuellen Zahlen des Jahres 2026 zeigen zwar im ersten Quartal eine leichte Stabilisierung, führen jedoch insgesamt nicht zu einer grundlegenden Trendwende.

Diese Entwicklung entspricht dem bundes- und landesweiten Trend und wird durch die Einwohnerprognose „Szenarien der Einwohnerentwicklung für die Stadt Burg – Simon Schulz, Juni 2024“ – vorgestellt im Sonderstadtrat am 18.09.2024 - bestätigt. Die Prognose geht insbesondere im Bereich der Kinder im Alter von 0 bis 5 Jahren von weiter sinkenden Zahlen bis mindestens zum Jahr 2028 aus.

Die rückläufigen Kinderzahlen wirken sich bereits heute deutlich auf die Auslastung der kommunalen Kindertageseinrichtungen aus. Die Verwaltung berichtet hierzu seit Februar 2026 regelmäßig im Hauptausschuss.

Die aktuellen Auswertungen zeigen:

  • Im Krippenbereich (0–2 Jahre) besteht bereits heute eine deutliche strukturelle Überkapazität; 137 von 291 Plätze belegt -> Auslastung 47% (154 freie Plätze)
  • Der Kindergartenbereich (3–5 Jahre) ist aktuell noch stabil ausgelastet, wird jedoch absehbar ebenfalls rückläufig sein; 426 von 484 Plätze belegt -> Auslastung 94% (25 freie Plätze)
  • Im Hortbereich (6–9 Jahre) ist derzeit noch eine hohe Auslastung gegeben, die sich jedoch in den kommenden Jahren deutlich entspannen wird; 602 von 580 Plätze belegt -> Auslastung 104%

kommunale Einrichtungen

April 2026

KK

KG

HO

Kita "Burg Süd

 

25

147

 

 

83%

92%

Kita "Regenbogen"

45

126

 

 

41%

97%

 

Kita "Käthe Dunker"

50

139

 

 

56%

93%

 

Kita "Spatzenwinkel"

5

37

 

 

33%

86%

 

Kita "Kinderparadies"

8

34

 

 

80%

106%

 

Hort "A.Einstein"

 

 

189

 

 

 

108%

Hort "Pestallozzi"

 

 

216

 

 

 

117%

Kita Niegripp

6

32

50

 

38%

133%

83%

Kita Schartau

9

25

 

 

75%

104%

 

Kita Parchau

13

26

 

 

57%

84%

 

Kita Ihleburg

2

9

 

 

13%

45%

 

Gesamt Stadt Burg

138

453

602

 

47%

94%

104%

Diese Entwicklung erfordert eine vorausschauende Anpassung der Betreuungsstruktur.

Vor diesem Hintergrund arbeitet die Verwaltung derzeit an einer umfassenden Kita-Strategie für die Jahre 2026 bis 2030.

Ziel dieser Strategie ist es, die Kindertagesbetreuung in der Stadt Burg langfristig bedarfsgerecht, wirtschaftlich tragfähig und qualitativ hochwertig aufzustellen.

Hierzu werden aktuell unter Einbindung der zuständigen Fachbereiche neben den Kinderzahlen insbesondere Gebäudezustände, Sanierungsbedarfe, Investitionskosten, personelle Auswirkungen sowie liegenschaftliche Aspekte systematisch erfasst und bewertet.

Auf dieser Grundlage wird ein Kapazitätskonzept entwickelt, das die zukünftige Struktur der Kindertagesbetreuung nachvollziehbar darstellt und politische Entscheidungen vorbereitet.

Die vorliegende Beschlussvorlage erfolgt insofern im Vorgriff auf die noch abzuschließende Kita-Strategie, da sich die Situation der Einrichtung Ihleburg bereits heute deutlich kritischer darstellt als bei anderen Standorten und aus Sicht der Verwaltung ein weiteres Zuwarten nicht verantwortbar wäre.

 

Situation der Kita „Ihlespatzen“ Ihleburg

Die Kindertageseinrichtung „Ihlespatzen“ im Ortsteil Ihleburg erfüllt seit vielen Jahren eine wichtige Funktion für den Ortsteil und wird von Eltern insbesondere aufgrund ihrer überschaubaren Größe, der naturnahen Lage sowie der engen persönlichen Betreuung geschätzt. Der Verwaltung ist bewusst, dass die Einrichtung für viele Familien einen hohen identitätsstiftenden und sozialen Stellenwert besitzt und dass eine Schließung nicht nur Auswirkungen auf die Kinderbetreuung, sondern auch auf das Gemeinwesen des Ortsteils Ihleburg insgesamt hätte.

Gerade deshalb wurde die Entwicklung der Einrichtung über einen längeren Zeitraum intensiv beobachtet und ausgewertet. Ziel der Verwaltung war und ist ausdrücklich nicht die Schließung von Einrichtungen, sondern grundsätzlich deren Erhalt, sofern eine dauerhaft tragfähige und bedarfsgerechte Auslastung gegeben ist.

Die Entwicklung der Kinderzahlen und Auslastung der Kita Ihleburg zeigt jedoch seit mehreren Jahren eine kontinuierlich rückläufige Tendenz. Besonders deutlich wird dies im Krippenbereich, in dem die Auslastung bereits seit längerer Zeit deutlich unterhalb einer wirtschaftlich und organisatorisch tragfähigen Größe liegt. Auch im Kindergartenbereich ist die Auslastung dauerhaft unterdurchschnittlich. Die fortgeschriebenen Prognosen sowie die aktuellen Monitoringzahlen bis Juli 2027 bestätigen diese Entwicklung weiterhin. Darüber hinaus ist nach den vorliegenden demografischen Prognosen auch über das Jahr 2027 hinaus keine nachhaltige Stabilisierung oder wesentliche Verbesserung der Kinderzahlen im Ortsteil Ihleburg erkennbar.

Belegungszahlen Aktuell Stand April 2026:

·         Krippenbereich 2 von 15 Plätzen belegt -> Auslastung 13%

·         Kindergartenbereich 9 von 20 Plätzen belegt -> Auslastung 45%

Anmeldungen für das Jahr 2026 und das 1. Halbjahr 2027:

  • Krippenbereich: weiterer Rückgang auf 1-2 Kinder -> Auslastung 7% - 13%
  • Kindergartenbereich: ebenfalls rückläufige Entwicklung auf 6 - 8 Kinder -> Auslastung 30% - 40%

Eine nachhaltige Verbesserung der Auslastung ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung nicht zu erwarten. Insbesondere sind im Ortsteil Ihleburg prognostisch keine relevanten Zuzugspotenziale oder strukturellen Veränderungen erkennbar, die eine gegenläufige Entwicklung begründen könnten. Darüber hinaus sind die erforderlichen Betreuungsplätze im Stadtgebiet verfügbar.

Zusätzlich besteht am Gebäude der Einrichtung ein Sanierungsbedarf, der bei gleichzeitig niedriger Auslastung wirtschaftlich nicht vertretbar ist.

Im Vorfeld der Beschlussvorlage wurden Gespräche mit der Einrichtungsleitung, dem Ortsbürgermeister, dem Ortschaftsrat sowie der Elternschaft geführt. Dabei wurden insbesondere die Bedeutung der Einrichtung für den Ortsteil, die familiäre Betreuungsstruktur sowie die Sorge vor Nachteilen für Kinder und Familien thematisiert. Diese Hinweise und Anliegen wurden von der Verwaltung ausdrücklich aufgenommen und in die Abwägung einbezogen; Weiteres hierzu finden Sie in der Anlage „Ausführungen Stellungnahmen, Hinweise und Einordnung aus dem Beteiligungsprozess“.

Gleichzeitig ist die Stadt Burg als Träger der öffentlichen Kindertagesbetreuung verpflichtet, die vorhandenen Kapazitäten gesamtstädtisch zu betrachten und wirtschaftlich vertretbar zu organisieren. Vor dem Hintergrund dauerhaft sinkender Kinderzahlen, erheblicher Unterauslastung sowie der bestehenden Gesamtplatzkapazitäten im Stadtgebiet kommt die Verwaltung daher nach umfassender Abwägung zu dem Ergebnis, dass eine dauerhafte Fortführung der Einrichtung nicht mehr vertretbar ist.

Die Schließung der Einrichtung soll sozialverträglich erfolgen.

  • Den betreffenden Eltern werden geeignete Betreuungsangebote im Stadtgebiet unterbreitet, insbesondere in umliegenden Einrichtungen, so dass für die aktuell betreuten Kinder eine nahtlose Anschlussbetreuung sichergestellt wird.
  • Die personellen Auswirkungen werden unter Berücksichtigung der individuellen Beschäftigungssituationen umgesetzt. Bereits absehbare altersbedingte Personalabgänge erleichtern die Umsetzung.

Die Schließung der Kindertageseinrichtung Ihlespatzen ist eine unmittelbare Folge der demografischen Entwicklung und stellt eine notwendige strukturelle Anpassung dar.

Sie erfolgt nicht isoliert, sondern im Kontext der gesamtstädtischen Entwicklung und der in Aufstellung befindlichen Kita-Strategie.

Ziel ist es, die Kindertagesbetreuung in der Stadt Burg langfristig stabil, wirtschaftlich und qualitativ hochwertig zu sichern.

Finanzielle Auswirkungen:

Die Kindertageseinrichtung „Ihlespatzen“ weist im Haushaltsjahr 2025 ein vorläufiges Jahresergebnis in Höhe von rund -219.000 € auf. Für das laufende Haushaltsjahr 2026 ergibt sich auf Basis der fortgeschriebenen Planung ein nochmals erhöhter Zuschussbedarf von rund -240.000 €. (siehe Anlagen: 2025 Kita Ihleburg, vorl. Jahresergebnis und 2026 Kita Ihleburg, HHP- vorläufig). Der Zuschussbedarf beschreibt die tatsächliche Belastung des städtischen Haushalts, ist jedoch nicht vollständig mit einer unmittelbaren Einsparung bei Schließung gleichzusetzen.

Durch die Schließung entfallen insbesondere die einrichtungsbezogenen Sach- und Betriebskosten sowie interne Leistungsverrechnungen iHv. ca. 117.000 Euro.

Im Bereich der Personalkosten ist zu berücksichtigen, dass diese nur teilweise entfallen können, da das vorhandene Personal grundsätzlich in anderen Einrichtungen weiterbeschäftigt wird. Allerdings beabsichtigen zwei von drei Beschäftigte im Jahr 2027 in den Ruhestand zugehen. Diese Stellen müssen bei Schließung der Einrichtung nicht nachbesetzt werden und führen damit zu einer tatsächlichen Entlastung des Haushalts iHv. ca.134.000 Euro.

Insgesamt zeigt sich, dass die Einrichtung im Verhältnis zur Auslastung einen dauerhaft hohen Zuschussbedarf verursacht, der vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der gesamtstädtischen Kapazitäten wirtschaftlich nicht vertretbar ist.


Anlagen:


Der Stadtrat der Stadt Burg beschließt die Schließung der Kindertageseinrichtung „Ihlespatzen“ im Ortsteil Ihleburg zum 31.12.2026.

Die Verwaltung wird beauftragt,

  1. die Betreuung der derzeit betreuten Kinder sozialverträglich sicherzustellen und entsprechende Betreuungsangebote in anderen Einrichtungen der Stadt Burg zu unterbreiten,
  2. die personellen Maßnahmen unter Berücksichtigung der individuellen Beschäftigungssituationen umzusetzen,
  3. die notwendigen organisatorischen und betrieblichen Schritte zur Einstellung des Betriebes vorzubereiten und durchzuführen,
  4. sowie die weiteren Nutzungsmöglichkeiten des Standortes gesondert zu prüfen und dem Stadtrat zu gegebener Zeit vorzulegen.


Finanzielle Auswirkungen ?

X

ja

nein

1

Gesamtkosten der Maßnahmen (Beschaffungs- Herstellkosten)

2

davon Zuschüsse:

3

jährliche Folgekosten/-lasten

                                          EUR

Land:                                    EUR

                       Ca. - 240.000 EUR

                                               

Sonstige:                              EUR

Veranschlagung im

Teilhaushalt Nr.

HH-Jahr: 2026

      240.000 EUR

Produktsachkonto

Folgejahr:

        0,00 EUR

                            365106401

 

Verfahrensweise gegenüber der Kommunalaufsicht

  Genehmigung

  Anzeige

  nicht erforderlich